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Schattenloses Weiß

Fast Frühling

„Ganz ruhig, Julchen“, sagte Karoline, „drehe Dich jetzt ganz langsam ein Stück nach rechts. Stopp, das war ein Tick zu weit. Jetzt ist gut. Nun strecke ganz vorsichtig Deinen rechten Arm aus. So ist gut. Jetzt ganz langsam den Finger senken und … ja geschafft.“

Ein wunderbare Landschaft tauchte aus dem weißen Licht heraus auf, es war Sommer … Und die wunderbare Landschaft bestand eigentlich auch nur aus den Klostermauern ohne Schnee.

„Wer ist eigentlich auf die dumme Idee gekommen, die Technik in schattenlosem Weiß zu streichen?“, wollte nun Karoline wissen, „das ist doch eine absolut dämliche Idee.“

„Na, das war ich!“, antwortete Julchen stolz.

„Du?“, Karoline konnte es kaum glauben, „Du malst doch immer nur in diesem hässlichen Schafsweiß, das mehr wie dreckig grau aussieht.“

„Hey! Eine Künstlerin wie ich sucht immer etwas Neues, die Aufregung, neue Erfahrungen und Sponsoren. Da wird es mir doch einmal vergönnt sein, eine neue Farbe auszuprobieren.“

Schneewittchen hatte die ganze Zeit geschwiegen, doch jetzt sagte sie wortgewaltig: „…“

„Genau, Schneewittchen“, ergänzte Karoline, „abgesehen von dem schattenlosen-weiß-zinnober hast Du uns zu erklären, was das sollte. Warum hast Du uns hier in diese düstere Klosterruine verfrachtet? Warum hast Du das Buch geändert? gehört Dir doch gar nicht.“

Julchen drehte sich geziert um die eigene Achse, reckte die Nase in die Höhe und schaute (überheblich) auf Schneewittchen und Karoline.

„Doch“, sagte sie einfach.